Tiefblick nach Mittenwald

Mittenwalder Klettersteig

Der Mittenwalder Klettersteig präsentiert sich mehr als teilweise ausgesetzter Höhenweg denn als klassischer Klettersteig. Dem landschaftlichen Erlebnis tut dies aber keinen Abbruch.

Die Karwendelbahn, Deutschland zweithöchste Kabinenbahn, bringt uns bequem von 933 auf 2.244m. Angesichts der bevorstehenden gut 12 Kilometer, inklusive Abstieg und Rückweg, spart das doch das ein oder anderen Körnchen.

Wer auf die technische Unterstützung verzichten möchte, kann bereits am Vortag auf die 1.518m hoch gelegene Mittenwalder Hütte aufsteigen und dort übernachten. Dann bleiben aber immerhin noch weitere, gut 700 Höhenmeter zu absolvieren. Der Blick von der Kabinenbahn auf den steilen Aufstiegsweg entlang der Karwendelwand macht aber definitiv Lust auf dieses Unterfangen.

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Die Karwendelbahn
Die Karwendelbahn

Jede der beiden Kabinen bringt pro Fahrt etwa 22 Personen nach oben. Das sorgt einerseits dafür, dass der gut 20 minütige Zustieg zum Mittenwalder Klettersteig sehr entspannt vonstatten geht, andererseits entzerrt das den Verkehr auf dem Steig selbst auch enorm. Auf dem Panoramaweg geht es, vorbei an der Westlichen Karwendelspitze, zum Anseilplatz.

Höhensteig oberhalb von Mittenwald

Der Steig selbst ist mit der Schwierigkeitsstufe B ausgewiesen. Viele Gehpassagen lösen sich mit leichter Kletterei ab. Nichts desto trotz ist ein Klettersteigset und vor allem ein Helm empfehlenswert, wenngleich einem auch immer wieder Menschen ohne solche Ausrüstung begegnen. An der ein oder anderen Stelle wird vor Steinschlag gewarnt, zudem können einige Passagen recht rutschig sein. Die Drahtseile selbst sind mitunter sehr locker angebracht und hängen auch schon mal durch.

Impressionen

 

Insgesamt ist der Steig an den notwendigen Passagen aber durchwegs gut gesichert und präsentiert sich im Grunde mehr als eine alpine Höhenwanderung. Der Wegverlauf führt Großteils auf dem Grat von der Nördlichen über die Südliche und Mittlere Linderspitze und weiter über Sulzleklammspitze und Kirchlspitze bis in den Brunnsteinanger unterhalb der Brunnsteinspitze. Für den Steig selbst muss man etwa 3 Stunden einplanen, der Abstieg auf der beschriebenen Route dauert nochmals in etwa drei Stunden.

Der Einstieg in den Mittenwalder Klettersteig
Der Einstieg in den Mittenwalder Klettersteig

Über die drei Linderspitzen

Gleich zu Beginn beeindruckt der imposante Tiefblick auf Mittenwald. Von der Nördlichen Linderspitze (2.372m) geht es am Drahtseil, auf rutschig-schottrigem Untergrund, zur ersten kleinen Leiter. Eine kleine, in den Morgenstunde durchaus rutschige Brücke, führt zum ersten ungesicherten Grat. Links wie rechts ist der Tiefblick und auch das Panorama einmalig. Vor uns präsentiert sich nahezu der gesamte Wegverlauf des Mittenwalder Klettersteigs.

Die beiden Leitern zur Mittleren Linderspitze
Die beiden Leitern zur Mittleren Linderspitze
Übergang von der Mittleren zur Südlichen Linderspitze
Übergang von der Mittleren zur Südlichen Linderspitze

Der erste Teil des Steigs, in Richtung Gatterl, beinhaltet viele Gehpassagen und ist problemlos zu meistern. Über eine kleine Erhöhung geht es zunächst in Serpentinen, dann über kleine Stufen hinunter zum Gatterl, wo der Heinrich-Noe-Steig, von der Brunnsteinhütte kommend, unseren Weg kreuzt.

Vom Gatterl aus führen zwei hintereinander angebrachte, nicht sonderlich steile Leitern zur 2.289m hohen Mittleren Linderspitze. Nach einer Querung unterhalb des Gipfels folgt auch schon ein weiterer Abstieg über eine kurze Leiter, bevor es auf der Mittenwalder Seite unter der Gratkante weiter geht.

Aufstieg zur Südlichen Linderspitze
Aufstieg zur Südlichen Linderspitze

Das rutschige Holzbrett, das wie ein Regalbrett auf einigen Eisenstiften liegt, bringt uns sicher zum kurzen Aufstieg zur Südlichen Linderspitze (2.306m). Auf der Südlichen Linderspitze und deren breitem Grasrücken kann man die Aussicht in vollen Zügen genießen. Diese Gehpassage führt hinunter in den Gamsanger. Auf fein-schottrigem und daher leicht rutschigem Terrain geht es in die 2.188m gelegene Senke.

Aufstieg zur Sulzleklammspitze

Zunächst vermutet man den weiteren Wegverlauf in einem Riß, der die Sulzleklammspitze diagonal von links unten nach rechts oben durchschneidet. Die Ferrata führt jedoch links an einem kleinen Unterstand vorbei und dann auf der Seite des Karwendeltals in einer deutlich leichteren Wand um die Spitze herum. Ein breiter, bandähnlicher Weg führt zu einem schrägen Kamin, der auf Eisenstiften, nicht sonderlich steil, bewältigt wird. Die anschließende, mit Klammern versehene Wand, stellt keine große Herausforderung dar.

Es schließt sich nun eine kurze Gehpassage an. Gerade bei feuchtem Untergrund ist auf dem abschüssigen Wiesengelände Trittsicherheit gefragt. Die an diese Gehpassage anschließende Leiter wirkt aufgrund des verdrehten unteren Teils alles andere als vertrauenswürdig. Sie ist aber fest und sicher verbaut und bringt uns auf eine weitere steile Wiese, die uns ungesichert auf die Sulzleklammspitze bringt (2.321m).

Unterhalb der Sulzleklammspitze, links die verdrehte Leiter
Unterhalb der Sulzleklammspitze, links die verdrehte Leiter

Das Finale in Richtung Brunnsteinanger

Wieder geht es bergab. Mit Hilfe eines Drahtseils ist die Senke zu Kirchlspitze schnell erreicht. Eine kleine Gehpassage führt hinüber zum letzten großen Aufstieg auf den 2.301m hohen Gipfel. Der folgende Abstieg ist wieder sehr schottrig, dafür kaum ausgesetzt. Direkt auf der Schneide lassen wir den Gipfel hinter uns und folgen dem Grat zum Ausstieg aus dem Klettersteig. Das angebrachte Drahtseil wirkt dabei optisch mehr wie ein Geländer.

Abstieg nach zur Brunnsteinhütte

Hinter der Kirchlspitze geht es auf einem breiten Wiesenrücken hintunter in den Brunnsteinanger, wo wir bei unserer Begehung eine Herde von über 50 Gemsen beobachten könnten. Direkt in der Senke zweigt der Weg hinunter zur Brunnsteinhütte ab.

Zunächst gilt es ein sehr steiles Kar in Serpentinen zu bewältigen, bevor es in weiter gefassten Kehren durch einen Latschenhand die gut 600 Höhenmeter hinunter zur bewirtschafteten Hütte geht. Ab der Hütte spendet der Wald Schatten und der breitere Wanderweg bedarf weit weniger Konzentration als der bisherige Abstieg.

Die Hängebrücke zu Beginn des Leitersteigs
Die Hängebrücke zu Beginn des Leitersteigs

Über den Leitersteig zurück nach Mittenwald

Nach etwa 30 Gehminuten ab der Hütte zweigt rechts der Leitersteig nach Mittenwald ab. Geradeaus würde der Rückweg nach Mittenwald laut Beschilderung 55 Minuten dauern, über den Steig sind zwei Stunden veranschlagt. Die Variante über den Leitersteig beginnt direkt spektakulär mit einer Hängebrücke und führt im weitere Verlauf unterhalb des Sulzleklammspitze nach Mittenwald.

In leichtem Auf und Ab geht es durch den Sulzlewald. Links fällt der Häng teilweise steil in Richtung der noch jungen Isar ab und wir queren schließlich die Drahtseile der Karwendelbahn bevor es endgültig auf den Talboden zum Ausgangspunkt geht.

Rückweg über den Leitersteig
Rückweg über den Leitersteig

Treue Begleiter

Auf dem Mittenwalder Klettersteig hatte ich übrigens drei treue Begleiter. Die TX PANT M von La Sportiva, der Ortovox Peak Light und die Grivel Trail Three Faltstöcke. Diese und weitere Produkt-Tests findest Du in der Rubrik Ausrüstungscheck.

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