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Der zu Beginn felsige Abstieg zum Salzboden

Hochvogel Umrundung

Auf der Hochvogel-Umrundung stehen zwar (fast) keine Gipfel auf dem Streckenplan, dafür entschädigen aber die Panoramen umso mehr.

Auf sanften Alpwiesen wandern. Auf hohe Wannen und Scharten steigen. Weite und einsame Kare durchqueren. Das Hochgebirge zwischen Lechtal und Allgäu auf einer ambitionierten Tagestour erleben.

Satte grüne Wiesen wechseln sich mit dunkelgraue Felswänden. Immer wieder garniert von beeindruckenden und vollkommen gegensätzlichen Gipfeln.

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Da ist einerseits der mächtige, alles in den Schatten stellende Hochvogel. Kurz danach folgen die massigen Felsgipfel von Wiedemerkopf und Großer Wilder. Und andererseits sind da die steilen Grasberge über dem Oberstdorfer Oytal. Der Schneck und die herrlich schöne Höfats, die wie eine gotische Kathedrale in den Allgäuer Himmel empor wächst.

Natürlich könnte man diese Tour auch an zwei Tagen machen. Das entspräche im Grunde der südlichen Routenführung des Grenzgänger. Nur in umgekehrter Reihenfolge. Während die 4. Etappe des Weitwanderwegs vom Prinz-Luitpold-Haus nach Hinterhornbach führt, schließt sich dort Etappe Nummer 5 an. Sie führt wieder zurück zum Prinz-Luitpold-Haus und steigt anschließend ins Hintersteiner Tal ab.

Im Rahmen einer Foto- und Videoarbeit habe ich mich auch aufgrund der günstigen Wetterlage für die Kombination beider Touren entschlossen. Für die teils lehmig-grasigen Böden empfiehlt sich ohnehin trockenes Wetter.

Herausgekommen sind 25 herrliche Kilometer und gute 2.000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg, die in ihrer Kombination ihresgleichen suchen. 10,5 Stunden war ich dabei unterwegs, nicht ohne ausreichend Stops für die notwendigen Fotoaufnahmen. Kann man sich einen schöneren Arbeitsplatz vorstellen?

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Hinweis: Mit Zeitangaben tue ich mich grundsätzlich schwer. Auch die Tourenplaner geben da nicht wirklich einen eindeutigen Anhaltspunkt. So bei den verschiedenen Kartendiensten zum Teil auch sehr unterschiedliche Längen- und Höhenangaben heraus.

Ich bin auf dieser Tour zwar durchaus zügig unterwegs gewesen, habe aber aufgrund von Fotoarbeiten den ein oder anderen Zwischenstop mehr einlegen müssen. Dazu kam die ein oder andere Verzögerung aufgrund von Wartezeiten, bis das entsprechende Motiv „menschenleer“ war. 


Die Umrundung des Hochvogels aus der Vogelperspektive

Zur Einstimmung auf die Umrundung des „Königs der Allgäuer Berge“ lohnt sich ein Überflug. Der lässt bereits die landschaftliche Vielfalt, aber auch die sportliche Herausforderung erahnen, die auf den gut 25 Kilometern zu erwarten sind.

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Dieser Überflug wurde mit Relive erstellt.

Von Hinterhornbach zur Schwabegghütte

Der Tag beginnt früh am Morgen. Um 6 Uhr bildet der Parkplatz unterhalb des Gasthof Adler und der Kirche von Hinterhornbach den Ausgangspunkt. Die Tagesgebühr von 2 Euro wirft man einfach in eine kleine Metallsäule. Ticket oder einen Beleg dafür gibt es nicht.

Ein paar hundert Meter weiter in Richtung Talende befinden sich weitere Parkplätze, die den Rückweg verkürzen würden. Dafür ist der erste Teil des Aufstiegs etwas anders. Die Beschilderung in Richtung Hochvogel und Schwabegghütte ist hier im Lechtal aber ausgezeichnet.

An der Terrasse des Gasthof Adler geht es schließlich los. Über eine Wiese führt der Weg zu einer Lawinenverbauung und schließlich über zwei Kehren in den Wald hinein. Gleich zu Beginn wird es steil. Ein gemütliches Einlaufen such man vergebens. Auf einem wunderschönen schmalen Waldpfad geht schnell über die Dächer von Hinterhornbach hinweg zu einer Lichtung und einer kleinen Hütte.

Gleich dahinter taucht der Aufstiegsweg zur Schwabegghütte erneut in den Wald ein. Hinter dem Jochbachtal beginnen die Bergrücken in der Morgensonne zu leuchten. Erst heute wird mir klar, dass das die Gipfel um das Hornbachjoch waren. Das Joch wird zu einer fortgeschritteneren Tageszeit dieser Tour der letzte hohe und steile Aufstieg sein.

Der Waldpfad steigt nicht mehr ganz so steil, immer wieder einen alternativen Forstweg kreuzend, nach oben. Nach einer Treppe, die der Erosion des sandigen Bodens Einhalt gebieten soll, wird es merklich flacher, bevor die Schwabegghütte auftaucht. Etwa eine Stunde hat mein Aufstieg in Anspruch genommen.

An der Schwabegghütte
An der Schwabegghütte

Aufstieg zum Fuchsensattel

Von hier sieht der Hochvogel mächtig und massiv aus. Man kann kaum glauben, dass sich ein großer Riß im Gipfelbereich auftut, und die Südseite des Berges eines Tages ins Tal stürzen lassen. Aus diesem Grund ist der Bäumenheimer Weg auf den Gipfel seit einigen Jahren gesperrt.

Nach der Schwabegghütte geht es noch ein stückweit steiler durch den weiten Latschenhang, der seit der erwähnten Treppe die Landschaft prägt. Dann ist auf etwa 1975m Höhe ein weiter flacherer Rücken erreicht. Die Latschen werden weniger und unterhalb der Hochvogelwände taucht nach etwa einer halben Stunde der ehemalige Zustieg zum Bäumenheimer Weg auf.

Grandioses Bergpanorama
Grandioses Bergpanorama

Es geht nun rechts ab in Richtung Kuhkar, eine weite mit Felsbrocken übersäte Wanne. Ein kurzer Abstieg über einen schottrigen, steil abfallenden Geländeeinschnitt, und der relativ ebene Weg durch das Kuhkar ist erreicht.

Mit dem Aufstieg zum Fuchsensattel, der Weg schlängelt sich in kleinen Kehren aus dem Kuhkar empor, wird erstmals die 2.000m Marke geknackt. Auf dem Sattel breitet sich eine weite, sanfte Wiese aus. Etwa 2 Stunden nach dem Start in Hinterhornbach nimmt der Wind über dem Sattel zu und streicht warm von der anderen Talseite, dem Schwarzwassertal herüber.

Über den Salzboden in Richtung Kalter Winkel

Die sanfte Wiesenlandschaft ist nur von kurzer Dauer. Gleich nach dem Sattel fällt der Weg wieder über ein weites Geröllfeld ab. Die felsigen Nordwände des Hochvogel beherrschen das weite Rund des Fuchskar. Es kommt mir so vor, als stünde ich vor den Nordwänden des Triglav, die eine ähnlich imposantes und prägendes Bild abgeben.

An ein kurzes Felsband schließt sich gemütlich fallender Ziehweg durch das Geröllfeld an. Es geht hinunter auf den Salzboden. Eine kleine Stufe unterhalb des Kalten Winkel, der den Normalweg auf den Hochvogel beheimatet.

Bereits während des Abstiegs sieht man auf den gegenüberliegenden Aufstiegsweg, der sich vom Salzboden in Zick-Zack-Form nach oben zieht. Von etwa 2.040m Höhe geht es hinunter auf etwa 1.900m. Eine knappe halbe Stunde nach dem Fuchsensattel wähnt man sich in einer eigenen Welt.

Spiegelung im kleinen, idyllischen Bergsee
Spiegelung im kleinen, idyllischen Bergsee

Der kleine flache See mit den plätschernden Bachläufen wird vermutlich zum Teil aus dem Schmelzwassern des Kalten Winkel gespeist. Ein sehr sanfter und idyllischer Ort inmitten der sonst rauen Felslandschaft.

Aber auch im Anschluss ändert sich die Szenerie quasi minütlich, Schritt für Schritt. Der erste Teil des folgenden Aufstiegs erfolgt über die Bergwiesen oberhalb des Salzboden. Links oben werden die verschiedenen Wege, die sich durch die dicke Schneeschicht des steilen Kalten Winkel nach oben ziehen immer besser sichtbar.

Über die Balkenscharte zum Prinz-Luitpold-Haus

Der Weg führt nun durch ein stark verblocktes Gebiet und anschließend in einem Geröllfeld eine gute halbe Stunde nach oben. Links zweigt der Zustieg zum Kalten Winkel ab. Geradeaus geht es über einen kleinen Felszacken in Richtung der Balkenscharte.

Eisentritte und ein Drahtseil unterstützen beim Auf- und Absteigen. Danach folgen noch ein paar steilere, ebenfalls um Eisentritten ergänzte Stufen.

Rechts unterhalb breitet sich das Schwarzwassertal aus. Darüber ist der Jubiläumsweg zu erkennen. Auf einem relativ eben verlaufenden Teilstück geht es zwischen Kreuzspitze und Fuchskarspitze zur Balkenscharte die eine halbe Stunde später erreicht ist.

Nun geht es wieder nach unten. Der Abstieg von knapp 2.200m auf das 1.846m hoch gelegene Prinz-Luitpold-Haus nimmt  eine gute halbe Stunde in Anspruch. Im ersten Teil, direkt nach der Balkenscharte, sind im Zuge des Grenzgänger-Projekts viele Sicherungen verbaut worden, was den Abstieg in dem steilen und schottrigen Gelände deutlich vereinfacht. Eisentritte, Drahtseile und eine lange Eisentreppe unterstützen beim Abstieg.

Über zwei Geländestufen geht es hinunter zur Alpenvereinshütte die geradezu malerisch an dem kleinen Bergsee liegt. Dahinter als Kontrast die grasbewachsenen Hänge um Daumen und Giebel. Auf meiner Tour habe ich das Prinz-Luitpold-Haus viereinhalb Stunden nach dem Aufstieg aus Hinterhornbach passiert. Hier bietet sich die Möglichkeit die Wasserflaschen noch einmal aufzufüllen.

Am Prinz-Luitpold-Haus
Am Prinz-Luitpold-Haus

Übergang und Aufstieg zum Himmelecksattel

Wieder wechselt das Terrain. Aus dem Felsenreich zwischen Wiedemerkopf und Glasfelderkopf geht es auf einen weiten grünen Hang oberhalb der Bärgündele Alpe.

Kurz nach Passieren der DAV-Hütte zweigt links der Gipfelweg auf den Wiedemerkopf ab und das nächste Etappenziel wird sichtbar. Am Ende des Bärgündeletals zeigt sich der Himmelecksattel. Zuvor jedoch ein Déja vú. Ein abermaliger Abstieg in Erwartung und Sichtweite des folgenden Aufstiegs.

An weiten Heidelbeerhängen vorbei, mal durch dichtes Buschwerk, dann wieder über freuen Gelände, fällt der Weg nicht sonderlich steil, aber immerhin 200 Höhenmeter nach unten. Dann folgt an einem kleinen Wasserfall vorbei der Aufstieg zum Sattel. Zunächst an der Schönberghütte vorbei in eine kleine Ebene unterhalb des Vorderen Wilden, geht es schließlich immer steiler hinauf.

Begleitet vom Pfeiffen der Murmeltiere geht es insgesamt knapp 400 Höhenmeter hinauf zum Himmelecksattel. Dort breitet sich, pünktlich zur Mittagsstunde und etwa eineinhalb Stunden nach Verlassen des Prinz-Luitpold-Hauses, ein einmaliges Panorama aus.

Auf der gegenüberliegenden Seite wächst die Höfats mit ihren erschreckend steilen Grasflanken in den Himmel. Darunter das Oytal. Hier, wo sich die Wege zum Laufbacher Eck und dem Schneck treffen, ist der perfekte Brotzeitplatz.

Die imposante Höfats vom Himmelecksattel
Die imposante Höfats vom Himmelecksattel

Vor dem Höfatspanorama auf das Hornbachjoch

Nach einer in allen Bereichen genussvollen Rast muss man den gewönnen Höhenmetern wieder Adieu sagen. Mit einer kurzen etwas steileren Unterbrechung geht es 300 Höhenmeter relativ sanft hinunter zur Wildenfeldalpe.

Die Höfats prägt das Bild zur rechten Seite. Geradeaus erkennt man bereits den Wasserfall der vom Eissee unterhalb des Rauheck in die Tiefe stürzt und später den Stuibenfall unterhalb der Käseralpe speist.

An der Wildenfeldhütte können die Wasserreserven noch einmal aufgefüllt werden bevor der letzte große Aufstieg des Tages ansteht.

Hinter der Hütte zweigt rechts der Weg zur Käseralpe ab. Geradeaus geht südwärts in Richtung Hornbachjoch. Der zunächst flache Weg steigt unterhalb des Kleinen Wilden mehr und mehr an. Inmitten der Alpweiden, gegenüber des Eissee-Wasserfalls, ist eine halbe Stunde nach der Wildenfeldhütte der Abzweig und der eigentliche Aufstieg zum Hornbachjoch erreicht.

Blick auf den Aufstiegsweg zum Hornbachjoch
Blick auf den Aufstiegsweg zum Hornbachjoch

Rechter Hand käme man in einem weiten Bogen zum Eissee. Der Weg zum Hornbachjoch ist zunächst sehr stark verbockt, führt dafür aber noch einigermaßen flach unterhalb der Höllhörner nach oben. Dann wird der Untergrund zwar einfacher und wechselt zwischen Schotter und Erdboden, aber er wird auch steiler. Ein paar zu querende, steil abfallende Schotterfelder erfordern nochmals Trittsicherheit.

Blick vom Hornbachjoch in Richtung Jochbachtal
Blick vom Hornbachjoch in Richtung Jochbachtal

Die bereits zurückgelegten Höhenmeter und auch die Strecke machen sich auf dem Anstieg so langsam bemerkbar. Etwa 330 Höhenmeter sind es aber der Wildenfeldhütte. Es ist halb zwei, als ich den Grenzstein und den Übergang zum Jochbachtal erreicht habe.

Abstieg über den Kanzberg nach Hinterhornbach

Der einfachste Abstieg führt von hier über das Jochbachtal nach Hinterhornbach. Die geplante Streckenführung bringt aber noch ein paar zusätzliche Höhenmeter mit sich.

Der 4. Etappe des Grenzgänger Wegs folgend geht es auf dem Joch rechts ab in Richtung eines Gedenkkreuzes. Rote Punkte markieren den teils schlecht erkennbaren Wegverlauf. Unterhalb der Jochspitze geht es in nun wieder felsigem Terrain über ein paar weitere Schotterrinnen, bevor der südöstlich verlaufende Rücken der Jochspitze erreicht ist.

An der Weggabelung zum Gipfel beginnt nun der eigentliche Abstieg nach Hinterhornbach, der mit 3 Stunden ausgeschildert ist. Immerhin geht es gut 1.000 Höhenmeter auf einer Länge von knapp 8 Kilometern ins Tal.

Bezeichnenderweise steht mit dem 2003m hohen Kanzberg der einzige Gipfel dieser grandiosen Tour auf dem Plan. Auch wenn der Weg nun insgesamt mehr und mehr in Richtung Tal führt, so sind auf dem breiten Rücken doch noch ein paar flache Zwischenanstiege drin.

Auf dem Bergrücken in Richtung Kanzberg
Auf dem Bergrücken in Richtung Kanzberg

Zunächst aber geht es steil und auch etwas ungemütlich über einige Felsstufen auf der Seite des Hornbachtals nach unten, bevor der Weg wieder flacher am Hang entlang führt und sich schließlich wieder dem breiten Rücken zuwendet.

An einer kleinen Biwackschachtel vorbei kann man das Hochvogelpanorama auf dem leicht zu gehenden Wegabschnitt noch einmal in vollen Zügen genießen.

Der Abstieg selbst erfordert dann nochmals Konzentration. Zunächst führt der schmale Pfad in Kehren durch ein Latschenfeld hinunter, bevor er in mehr und mehr bewaldetes Gebiet eintaucht. Linker Hand, von Bäumen und Buschwerk gut versteckt, geht es extrem steil ins Jochbachtal hinunten. Ein Fehltritt könnte einer zu viel sein.

Zudem erschweren die in den Weg hineinwachsenden Büsche und Gräser den Blick auf den Boden. Man tastet sich daher mehr voran. Unten wird das Rauschen des Bachs stärker und vor uns kommt ein leises Plätschern in Hörweite. Es geht unter einer tropfenden Felswand hindurch. Links nochmals ein „königlicher Blick“, dann wird der Wald endgültig dichter, dafür aber der Weg einfacher.

Zurück zum Ausgangspunkt der Tour

Nun schlängelt sich die gewählte Strecke in weiter werdenden Kehren hinunter zum Talboden. Noch oberhalb des Jochbachs ist der Talwanderweg erreicht. Ein paar Meter weiter und die Lichtung oberhalb von Hinterhornbach kommt in Sichtweite.

Hier öffnet sich der Wald und es geht die letzten Höhenmeter dieses manchmal nicht enden wollenden Abstiegs nach unten. Ein breiter Wirtschaftsweg, und dann die Talstrasse bilden den Abschluss dieser langen, anspruchsvollen aber beeindruckend schönen Bergtour rund um den Hochvogel.

Die Karte zur Tour (auch zum Download)


Tipp: Auf meiner Tour habe ich, für den Fall der Fälle, auch alle notwendigen Utensilien für eine Hüttenübernachtung auf dem Prinz-Luitpold-Haus im Gepäck gehabt. So konnte ich situativ entscheiden, ob die Kräfte und die Zeit mit Erreichen der DAV-Hütte für den Weiterweg noch vorhanden waren.


 

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