Die Skidurchquerung der Nockberge

Erlebnis Nockberge – die 4-Tages Skitour der Extraklasse

Die Nockberge-Skidurchquerung habe ich im Herbst bereits vorgestellt. Meine Begegnung mit den Nockbergen 2019 war aber noch viel beeindruckender, bleibender und prägender als ich es mir je hätte vorstellen können. Die Geschichte einer einmaligen Landschaft, einzigartiger Begegnungen und körperlicher Herausforderungen.

Im Verlauf der Durchquerung der Nockberge werden die Skigebiete Katschberg, Innerkrems, Turacher Höhe, Falkertsee und Bad Kleinkirchheim miteinander verbunden. Der erste Aufstieg des Tages erfolgt jeweils über die Liftanlagen der einzelnen Gebiete. Die letzte Abfahrt des Tages führt über die Pisten zu den verschiedenen Unterkünften, die mit Wellness und genussvollen Abendessen die Strapazen des Tages vergessen lassen. Zwischen den Start- und Zielorten der insgesamt vier Etappen liegen unzählige Kilometer Einsamkeit, Wildnis und wunderschöne Natur.

Entscheidende Voraussetzung für den wirklichen Genuß dieses Abenteuers in den Kärntner Nockbergen sind Kondition und sicheres Tourengehen. Parallelschwung und Spitzkehrentechnik sollten nichts Unbekanntes sein. Der Aufstieg mit den Liften zu Beginn der einzelnen Tage darf nicht darüber hinweg täuschen, dass es sich beim Nockberge-Trail um eine sehr sportliche Unternehmung handelt.

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Die entsprechende Ausrüstung und der sichere Umgang damit versteht sich von selbst. Alternativ bieten die Nockberge aber auch dem ungeübteren Skitourengeher zahlreiche weitere Optionen an. Die kleinen, feinen Skigebiete entlang der Traverse stellen sich, gerade für Familien, als wahre Juwelen heraus, die inmitten der Kärnter Seenlandschaft oft heller als die großen Gebiete funkeln. Aber immer der Reihe nach.

Den Ausgangspunkt des Nockberge-Trails erreicht man über die A10. Die Tauernautobahn führt fast direkt an der Katschberghöhe, dem Startort unseres Vier-Tages-Erlebnisses, vorbei.

Auf dem Weg in Richtung Laußnitzeralm Auf dem Weg in Richtung Laußnitzeralm

Harsch & Powder

Die erste Auffahrt zeigt schon, was uns die kommenden Tage begleiten wird. Wind. Die Wettervorhersagen sagen bedeckten Himmel und immer wieder Auflockerungen voraus. Und Wind, viel Wind.

Das Ritual zu Beginn eines jeden Tour-Tages ist absolviert, der Check der LVS-Geräte. Bald liegen die gesicherten Pisten hinter uns. Eine Querung hinüber zur ersten Abfahrt zeigt schon die Tücken die der Winter bereit halten kann. Unverhofft, und durch das diffuse Licht kaum sichtbar, fällt der sonst nur leicht geneigte Hang an einer kleinen Wächte steil ab. Nichts passiert, dank der Erfahrung und Umsicht unserer Bergführerin, die uns auch die kommenden Tourtage sicher durch die Wildnis führen wird.

Die Abfahrt beginnt in schwerem Schnee, bevor der lichte Lärchenwald das weiße Gold auf den leicht abfallenden Hängen zu einem wahren Vergnügen werden lässt. Perfekt um sich auf das Gelände und das Material einzustellen. Unten in der Senke heißt es erstmals Auffellen. Ebenso sanft wie die Abfahrt geht es in den ersten Aufstieg der 66 Nockberge-Kilometer. Schritt für Schritt geht es einem Höhenzug entgegen, an dessen Schneide ein Wegweiser und eine Almhütte die Abfahrt kennzeichnet.

Aufgrund der guten Schneesituation verlassen wir die eigentliche Route und fahren nicht über den Forstweg, sondern nahezu direkt zu einem Bachbett ab. Steiler und anspruchsvoller im Vergleich zur ersten Abfahrt malen diese Powder-Hänge ein Lächeln ins Gesicht. Nicht das letzte breite Grinsen der Tour. Versprochen.

Neu aufgefellt steigen wir durch den Wald zur unbewirtschafteten und tief eingeschneiten Laußnitzeralm hinauf. Die Hütte bietet einen Schutz vor dem stärker werdenden Fallwind lädt zudem zu einer Rast und und zu einer kleinen Stärkung ein. Ein gute Wahl, denn im Anschluss an den weiteren Aufstieg nimmt der Wind an Stärke zu und bringt die drei oder vier Minusgrade schnell auf gefühlte -12 Grad.

Der Aufstieg ist nicht sonderlich steil und damit auch konditionell und technisch nicht anspruchsvoll. Er führt auf einem breiten Bergrücken. Fast schon einer Ebene. Immer noch angefellt geht es leicht bergab durch eine unwirklich anmutende Eiswüste.

Und dann lächeln uns die Nockberge doch noch zu. Im letzten leichten Aufstieg bricht die Sonne durch die Wolken. Als wäre nichts gewesen begleitet sie uns auf dem Weg zur Abfahrt nach Innerkrems. Die Zeit ist weit fortgeschritten weshalb wir den höchsten Punkt der Tour nicht mitnehmen und früher als gewollt über einen weiten Tiefschneehang ins Skigebiet abfahren und letztlich bei einsetzender Dämmerung unsere erste Unterkunft auf der Tour erreichen.

Wind & Sonne

Die Königsetappe steht heute auf dem Plan. Vielmehr würde sie auf dem Plan stehen, wenn da nicht das Wetter seine eigenen Pläne hat. Neuschnee in der Nacht, starker Wind und tief hängende Wolken sind vorhergesagt. Ein Aufstieg macht keinen Sinn. Wäre die Orientierung doch nahezu unmöglich.

Glücklicherweise gibt es Alternativen. Eine schöne Halbtagestour im Umfeld der Innerkremser Berge. Auch die Skigebiete selbst bieten auf jeder Etappe immer die Möglichkeit einen Ruhetag einzulegen. Oder man nutzt die Annehmlichkeiten der Wellnesshotels. Wir für unseren Teil sind in feistem Powder auf Tour gegangen. Durch die leicht bewaldeten Hänge ging es mitunter steil in Richtung Zechner Höhe nach oben.

Zunächst auf flachen Forstwegen, dann steil durchs Gelände. Einige Spitzkehren waren bereits gemeistert bevor uns das Wetter ein zweites Mal an diesem Tag ein Schnäppchen geschlagen hat. Es klarte tatsächlich auf. Bei strahlendem Sonnenschein ging es nach oben. Gegenüber der erste Teil der Nockberge-Trail-Königsetappe und der Königsstuhl darüber leuchtend blauer Himmel. Ein wenig Zähneknirschen machte sich beim Anblick des herrlichen Panoramas breit.

Mit zunehmender Höhe kam aber wenigstens der vorhergesagte und bitterkalte Wind auf, der unsere vernünftige Entscheidung zumindest in Teilen bestätigte. Sicherheit in den Bergen geht eben vor. Und hätten wir die Entscheidung die dritte Etappe nicht un Angriff zu nehmen nicht getroffen, dann hätten wir nie diese beste aller Tiefschneeabfahrten genießen dürfen. Man weiß nie wozu etwas gut sein kann. Die Region rund um die Nockberge eignet sich definitiv auch für genußvolle Eintages- und Halbtagestouren und steht daher auch dem nicht so versierten Tourengeher durchaus offen.

Sanft & fordernd

Mehr als die erste Etappe zeigt die dritte Etappe auf: bei all den Wellness-Resorts, den teils gemütlichen Überschreitungen der Hügelketten und Hochebenen und den mitunter flacheren Abfahrten auf Ziehwegen und über sanfte Almwiesen: beim Nockberge-Trail handelt es sich um eine fordernde hochalpine Unternehmung. Psyche und Physis sind gleichermaßen gefordert, genauso wie wie das Vertrauen in das eigene Können und das Material.

Der dritte Tag beginnt mit einer wunderbaren Tiefschneeabfahrt vom Skigebiet Turacher Höhe hinab in ein kleines Tal. Zunächst über freien Wiesen, dann durch den Wald, geht es in mäßigem abfallenden Gelände hinunter, bevor der es auf Fellen in Richtung der Pregatscharte geht. Einem wenig fordernden Aufstieg folgt eine längere Abfahrt über Forstwege hinunter zur Nockalmstrasse.  Die Passstrasse wird im Winter nicht geräumt, und maximal von Jägern und Förstern befahren. Die Fahrspuren verlieren sich im Verlauf des Aufstiegs und bald geht es abseits der Strasse über eine einsame Hochebene.

Der weitere Aufstieg in Richtung des Steinnock ist aus weiter Entfernung bereits sichtbar. Diese idyllische Hochebene gibt aber die nächsten Minuten den Ton an und lässt fast gänzlich die zurückliegende und bevorstehende sportliche Herausforderung vergessen. Gemütlich geht es dahin. Fast schon meditativ geht es Schritt für Schritt durch den Schnee. Das vertraute Knirschen und Zischen unter den Tourenskiern verliert sich in den Gedanken und den vielen Eindrücken.

Schließlich beginnt die Route wieder zu steigen. Der zunächst noch von den Sonnenstrahlen griffig-weiche Untergrund ändert sich mit dem steiler werdenden Aufstieg. Der Schatten zieht in den Hang und zeugt unweigerlich von der fortschreitenden Stunde, auch wenn das Ziel der heutigen Etappe noch in weiter Ferne liegt. Der Wind hat den Schnee fest gepresst und mit zunehmender Steilheit des Geländes werden die Schritte konzentrierter, während sich die Kanten der Tourenski in den Hang schneiden. Je näher der Grat kommt, desto eisger und schneeärmer wird es. Der kalte, starke Wind der Vortage hat ganze Arbeit geleistet.

Endlich ist der Grat erreicht. Es steht „nur noch“ die Querung des Hangs und des Steinnock bevor, ehe die Abfahrt im Skigebiet Falkertsee erreicht ist. „Nur noch“? Die ersten Meter ab der Scharte Meter sind noch gut befahrbar, bevor der Wind den leichten Gegenanstieg in Richtung Steinnock nahezu schneefrei geblasen hat. Tragen ist angesagt. Mit den Skiern am Rucksack geht es hinauf zum Steinnock. Auf dem Gipfel macht sich Stolz und Zufriedenheit breit, wenngleich immer noch ein gutes Stück des Weges vor uns liegt. Ein kurzer luftiger Grat führt, nun wieder gut mit Schnee bedeckt, zu einer Schneewächte und der finalen Querung in Richtung des Ziels.

Mit Schwung ist etwa Hälfte der Querung schnell erreicht. Nun heißt es abermals Auffellen und die letzten Meter bewältigen. In steilem Gelände wird mit zunehmender Dämmerung der Schnee unter den Skiern eisiger. Konzentriert geht es Schritt für Schritt und Meter für Meter hinüber zur allerletzten Scharte des Tages. Kein Gedanke mehr an die sonnige und friedliche Hochebene. Kein Gedanke an die einfache Geländestruktur, die den ersten Teil dieser Tages-Etappe geprägt hat. Schritt für Schritt. Konzentriert. Meter für Meter. Ehe mit den letzten Sonnenstrahlen endlich die Scharte und die finale Abfahrt erreicht ist.

Abendstimmung vor der Abfahrt nach Falkertsee Abendstimmung vor der Abfahrt nach Falkertsee

In der Dämmerung geht es den funkelnden Lichtern des Heidihotels entgegen. Sowohl bei der in die weite Wanne, wie auch bei den Gesprächen im Heidihotel Falkertsee und bei der Auffahrt am nächsten Tag wird schnell klar: dieses Skigebiet, auch wenn es klein ist und nicht mit top-modernen Liften hunderte von Personen auf die Pisten kataputiert, dieser kleine Ort am Falkertsee ist ein Kleinod. Ein kleines feines Skigebiet wie ich es aus meiner Kindheit kannte, wo ich fast schon dachte, dass es so etwas gar nicht mehr gibt.

Kurz & knackig

Früh morgens gegen 4 oder 5 Uhr macht sich der Wind lautstark bemerkbar. Die zunächst tief hängenden Wolken ziehen nach und nach in höherer Lagen. Kein perfekter Tag. Die letzte Etappe ist aber dennoch sicher machbar.

Das Thermometer zeigt gar nicht einmal so viele Minusgrade an. Der kalte Wind lässt diese aber locker um 10 oder 15 weitere Grade kälter erscheinen. Mit einem prickelnden Eispeeling im Gesicht geht es vom Ende des Schlepplifts hinauf zu der Scharte, die am Vorabend noch friedlich in den sanften letzten Sonnenstrahlen leuchtete. Nach dem Abfellen beginnt eine steile und mitunter eisige Abfahrt in einer Rinne.

Die ersten Höhenmeter sind noch von diffusem Licht und vom Boden aufgewirbelten Schneeverwehungen geprägt, der „direkte Schneekontakt unvermeidbar“. Mit abnehmender Höhe bessert sich die Sicht nach und nach und die Konturen des Bodens werden deutlicher. Nichts desto trotz sind die wechselnden Schneeverhältnisse, mal abgeblasen eisig, mal dicht aufgehäuft, eine Herausforderung.

Schließlich wird der Hang flacher und es geht über eine Ziehweg hinunter. Was folgt ist wieder das andere, das sanfte Gesicht der Nockberge. Eine anregende Tiefschneepassage führt durch den Wald hinunter zum Falkerthaus. Mit den Fellen unter den Skiern beginnt der letzte Anstieg des Tages. Der letzte Anstieg der gesamten Skiroute. Durch den Wald auf eine Anhöhe und schließlich in freiem Gelände auf die Nordflanke des Mallnock.

Im Verlauf des langen Anstiegs machen sich die Beine und damit die vorangegangenen Tage bemerkbar. Etappe vier ist zwar die kürzeste, für mich aber fordernste Etappe des Trails. Kurz vor dem Ende des Aufstiegs wird es nochmal steil. Die Wolkendecke hängt höher als zu Beginn des Tages und in unserem Rücken wird der gesamte erste Abschnitt mit der Abfahrt durch die Rinne sichtbar. Aus der Entfernung und bei gutem Licht sieht das gar nicht so spektakulär aus, als es sich bei der Abfahrt anfühlte. Kurz vor dem Gipfel kommt wieder dieser eisige Wind auf, der uns schon die gesamte Tour über begleitet hat. Auf dem teils abgeblasenen Rücken des Mallnock, der gar nicht mehr so hoch und mächtig wie zu Beginn des Anstiegs anmutet, geht es hinüber zum vereisten Gipfelkreuz.

Ein letztes Mal Abfellen, bevor die lange Abfahrt über den Rücken zum Skigebiet von Bad Kleinkirchheim beginnt. Leider sind heute nicht alle Stellen des Weges befahrbar. Ein paar kurze Tragepassagen unterbrechen des Spass. Die Gipfelstation der Bergbahn, die von St. Oswald auf das Spitzeck führt,  rückt näher und näher. Und damit auch das Ende dieser beeindruckenden Tour.

Ab der Gipfelstation befinden wir uns im gesicherten Pistenbereich. Eine Abfahrt und eine letzte kurze Auffahrt mit dem Sessellift ins Skigebiet von Bad Kleinkirchheim. Die letzten Schwünge über die breit angelegten Pisten hinunter ins Tal. Und plötzlich ist es geschehen. Die Tour ist vorbei. Neben dem Glücksgefühl und dem Stolz diese Skidurchquerung gemeistert zu haben macht sich ein wenig Leere breit. Es ist vorbei? So anstrengend die zurückliegenden Tage waren, so gerne würde man noch einmal umdrehen. Umdrehen und noch einmal Auffellen. Noch einmal aufsteigen in die Einsamkeit, die Wildnis, in diese rauhe, sanfte und einmalig schöne Landschaft.

Alles was bleibt & alles was zählt

Was bleibt? Früher hätte ich gesagt es sind Eindrücke. Die Eindrücke, die Bilder der Landschaft, die sich im Gedächtnis verankern. Der Stolz auf die sportliche Leistung und die zurückliegenden 66 Kilometer. Heute sage ich: „Was bleibt sind die Begegnungen!“ Die Begegnung mit der Route. Die Begehung mit sich selbst. Die Begegnung mit der Natur und den Menschen die man unterwegs trifft und die einen begleiten. Und es ist die Gewissheit, dass man sich immer wieder aufs neue verlieben kann. In eine Region, die Schönheit der Natur und die Menschen die dort leben. Pure Zufriedenheit!


Meine Tipps für das optimale Nockberge-Erlebnis

Für das Abenteuer Nockberge empfiehlt sich die komplette Buchung des Aufenthalts über die Trail Angels. Sowohl der Gepäcktransfer, wie auch die Hotels und die gewünschte Verpflegung können auf der offiziellen Webseite des Nockberge-Trails bequem gebucht werden. Alles ist top organisiert.

Für ortsunkundige empfehle ich unbedingt einen Bergführer. Muss man sich immer wieder neu orientieren, kostet das wertvolle Zeit. Zudem führt einen der Profi teils über alternative Routen sicher ans Ziel, sofern die Schneelage die direkte Tour laut GPX-Track nicht erlaubt.

Am letzten Tourtag bietet sich ein zusätzlicher Aufenthalt am Zielort der vorten Etappe in Bad Kleinkirchheim an. Alternativ auch eine Übernachtung am Katschberg, im Anschluss an den Transfer zurück zum Ausgangspunkt. Das rundet die gesamte Tour ab und gibt die nötige Zeit, alle Erlebnisse noch einmal Revue passieren zu lassen.

Die Zeit ist auf jeder Etappe der entscheidende Faktor. Daher heißt es zeitig mit der ersten Bahn aufsteigen und nicht zu viel Zeit mit Pausen zu verlieren. Und wenn das Wetter oder die körperliche Verfassung an dem ein oder anderen Etappentag nicht mitspielen sollte: mit dem Shuttle, das das Gepäck zum nächsten Zielort bringt, findet sich immer eine Mitfahrgelegenheit. Und die Skigebiete, wie auch die Almwiesen rumd um die Start-und Zielorte bergen genügend Potential um jeden Tag zu einem besonderen Erlebnis zu machen.


Die Karten zur Tour und weitere Infos zum Nockberge-Trail, wie und wo Du diese Tour buchen kannst findest Du hier.
Die Skidurchquerung der Nockberge Die Skidurchquerung der Nockberge
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