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Bergerlebnis-Träume in Fieberbrunn

Der Hochnebel hängt tief über den grünen Hängen von Fieberbrunn. Der starken Regenfälle der Nacht haben die Temperaturen fallen lassen und spürbar den Herbst eingeläutet. Es ist ruhig.

Die Stille wird nur durch die Rollgeräusche der Mountainbikes auf dem Kiesweg und durch den eigenen Atem unterbrochen. Meter für Meter geht es hinauf auf fremden und sich so vertrautem Untergrund. Der tief hängende Hochnebel sorgt für einen nahezu greifbaren Schleier aus kleinen Wassertropfen.

Kaum zu glauben, dass die kommenden Stunden die mitunter schönsten Stunden des zu Ende gehenden Bergsommers werden.

An der Mittelstation der Bergbahnen Fieberbrunn
An der Mittelstation der Bergbahnen Fieberbrunn

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Wir rollen mit den Mountainbikes auf den breiten Forstwegen unterhalb der Fieberbrunner Bergbahn. Die ersten Höhenmeter fühlen sich vertraut an, sind sie doch Bestandteil der Königsetappe des WaiWi, den ich vor fast genau zwei Monaten hier erleben durfte. Voll bepackt geht es in vielen Kehren hinauf.  Mit jedem gewonnenen Höhenmeter schiebt sich die Hochnebeldecke weiter nach oben. Als würde sie den Weg hinauf zum Wildalpgatterl freimachen.

Die urige Hütte unweit der Mittelstation der Bergbahn ist das erste Ziel des heutigen Tages. Die regnerische Nacht hat unseren für frühmorgens geplanten Start nach hinten geschoben. Und so sind wir fast pünktlich zur Mittagszeit am beliebten Wildalpgatterl, das am heutigen Tag eine überschaubare Zahl an Gästen aufweist. Die freundliche Bedienung, ein frisch aufgebrühter Tee und der Duft von Kaiserschmarrn wärmen nicht nur den Körper, sondern lassen auch schnell die teils steilen Rampen der zurückliegenden Auffahrt vergessen.

Frisch gestärkt und aufgewärmt geht es am Wildgehege vorbei auf den Jägersteig und weiter zur Lärchfilzhochalm. Für einen kurzen Augenblick stellen sich die Nebelbänke unseren Weg. Aber das ist nur von kurzer Dauer. Nahezu ebenerdig führt der Fahrweg um den 1.654 Meter hohen Lärchfilzkogel. Über die Lärchfilzhochalm erreichen wir schließlich die Grießenbodenalm. Nun geht es zu Fuß weiter. Etwa 500 Höhenmeter sind es noch bis zum heutigen Tagesziel. Dem Wildseeloderhaus auf 1.854 Metern Seehöhe. Ein kurzer Schrei über uns. Die Hühner an der Alm suchen Schutz in ihrem Unterstand. Hoch oben zieht der König der Lüfte seine Kreise.

Der zunächst noch breite Fahrweg vereinigt sich an der Wildalm, die wie die Grießenboden- und die Lärchfilzhochalm bewirtschaftet ist, mit dem Fieberbrunner Höhenweg. Dieser führt von der Bergstation der Lärchfilzkogelbahn herüber und sorgt in der Regel für einen guten Zulauf zum Wildseeloderhaus.

Heute aber ist es menschenleer auf dem schmäler werdenden Steig, der zur Alpenvereinshütte hinauf führt. Serpentine um Serpentine geht es hinauf. Die Gipfel des „Loder“ und des Marokka sind inzwischen frei vom Hochnebel. Der erste Schnee des Jahres hat sich in einer dünnen Schicht über die Hänge gelegt. Der auffrischende Wind lässt die weiße Nebeldecke hin und wieder aufreißen. Kleine blauen Flecken tauchen am Himmel auf um im nächsten Moment wieder zu verschwinden.

Die Nebeldecke reisst auf
Die Nebeldecke reisst auf

Schließlich ist das Wildseeloderhaus erreicht. Der Wildsee liegt dunkel und geheimnisvoll vor der Hütte. Drinnen wartet Hüttenwirt Berni mit einem leckeren Abendessen, bevor ungewohnt komfortabel, in einem Zweier-Zimmer, die Hüttenruhe Einzug hält. Bereits am Abend bestätigt sich die gute Wetterprognose für den folgenden Tag. Der Himmel klart mehr und mehr auf und die Nacht verspricht ein sternenklares Erlebnis. Vom Tal schimmern die Lichter von Fieberbrunn und Hochfilzen orange-gelb herauf.

So sternenklar wie die Nacht, so klar präsentiert sich der Morgen. Ein frisch gebrühter Kaffee und ein leckeres Frühstück sorgen für den richtigen Anschub. Das Wetter und die klare Sicht auf den Höhepunkt des heutigen Tages für die richtige Motivation. Bis die Sonne über dem Bergrücken zwischen Marokka und Henne herüberkommt dauert es noch eine ganze Weile. Die Vorfreude auf den Marokka Klettersteig lässt aber keinen Aufschub zu.

Kurz unterhalb der Alpenvereinshütte zweigt bereits der Zustieg ab. Auf einem schmäler werdenden Pfad geht es im Schatten der steil abfallenden, rot-braunen Felswände zum Einstiegspunkt. Das erste Klicken des Karabiners am Drahtseil. Der erste Griff an den Fels. Der erste Tritt auf die Eisenbügel. Besser kann ein Tag nicht beginnen.

Die Schlüsselstelle am Einstieg ist schnell gemeistert. Tritt um Tritt geht es am Fels entlang nach oben, bis hinter einer Felsnase schließlich die Sonne das Gesicht wärmt und das breite Grinsen noch breiter zu werden scheint. Tief unten ist die Grießenbodenalm auf den sonnengefluteten Bergwiesen bereits erwacht. Im Wechselspiel zwischen Sonne und Schatten geht es weiter nach oben.

Die Seilbrücke in der Mitte des Steigs ist bald überwunden. Nach einer kurzen Querung geht es im steilen Fels die letzten Meter hinauf zum Gipfelkreuz des Marokka wo der Blick vom hoch aufgeschossenen Wilden Kaiser über den Fieberbrunner Talboden zu den Loferer Steinberge reicht. Im Gipfelbuch verewigt geht es über den Grat in Richtung Henne und schließlich hinunter zum Wildseelodersee.

Die Terrasse vom Wildseeloderhaus ist bereits gut gefüllt und auch der Aufstiegsweg ist an diesem Sonnentag deutlich besser frequentiert. Über die Wildalm erreichen wir wieder die Grießenbodenalm. Die Abfahrt mit den Mountainbikes muss aber noch etwas warten. Die zurückliegende Tour haben nicht nur Appetit auf Mehr gemacht, sondern auch eine gute Portion Hunger hervorgebracht. Den braucht es aber auch für das Picknick am Speichersee. Resi von der Grießenbodenalm hat schon alles vorbereitet.

Abstieg zum Wildsee, hinten Bischof und Großglockner
Abstieg zum Wildsee, hinten Bischof und Großglockner

Mit dem vollgepacktem Bollerwagen geht hinüber zum Speichersee der Reckmoos Nordbahn. Diese fährt nur im Winterbetrieb und der Speichersee liegt abseits der Wanderwege und des Aufstiegs in Richtung Henne Klettersteig. Und so sitzen wir alleine am See vor beeindruckender Bergkulisse und lassen uns das selbst gebackene Brot, den mit Liebe zu bereiteten Wurstsalat und allerlei andere Leckereien schmecken.

Den Magen gut gefüllt und tausende an Bildern im Gepäck geht es schließlich zurück zur Grießenbodenalm. Es heißt Abschied nehmen. Auf dem geschotterten Fahrweg geht es vorbei an der Lärchfilzhochalm, dem Wildalpgatterl und der Mittelstation der Fieberbrunner Bergbahn zurück ins Tal.

Das breite Grinsen steht immer noch im Gesicht. Wohlwissend dass das nicht der letzte Besuch im Pillerseetal gewesen ist.

Wer hätte am gestrigen Tag schon gedacht, dass diese vergangenen Stunden zu den mitunter schönsten Stunden des zu Ende gehenden Bergsommers werden sollten.


Im Rahmen des Outdoor-Blogger-Codex weise ich immer darauf hin, falls ich Leistungen im Zusammenhang mit einem Beitrag kostenfrei erhalten habe. So auch in diesem Fall. Wir wurden von Pillerseetal-Tourismus zu der Tour eingeladen. Kost & Logis wurden kostenfrei zur Verfügung gestellt. Diese Tatsache beeinflusst die redaktionelle Freiheit und die Bewertung dieser Tour in keinster Weise, wie man sicher aus unseren Erfahrungen entnehmen kann.


Tourenbeschreibungen und Karten

Die Tourenbeschreibungen der beiden Teilabschnitte findest Du hier:

 

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