Salewa Klettersteig mit Wiedhag Alpe

Iseler, 1876m (Salewa Klettersteig)

Eingetragen bei: Blog, schwere Bergtouren, Steige/Klettersteige | 2

Spätnachmittag-Tour über den Salewa Klettersteig auf den Iseler

 

Der Salewa Klettersteig, zwischen Iseler und Wannenjoch stand schon seit langem auf unserer Wunschliste. Gestern Nachmittag war es dann soweit. Perfektes Sommerwetter. Um 15:30 zog schon der Schatten und somit ein kühler, angenehmer Wind durch die Wand. Viele Klettersteig-Geher und Wanderer gingen bereits ins Tal. Alles war also gerichtet für einen unvergesslichen Nachmittag am Oberjoch.




Von der Bergstation zum Einstieg Salewa Klettersteig
Von der Bergstation zum Einstieg Salewa Klettersteig

Der erste Teil des Aufstiegs erfolgte (ausnahmsweise) mit der Bahn. Bequem ging es auf knapp 1600m Höhe. Nach ein paar Serpentinen in der Sommersonne war der 150m höher liegende Einstieg schnell erreicht. Was nun vor uns lag, waren spannende 3 Stunden mit sensationellen Ausblicken, kribbelnden Tiefblicken und überraschend anspruchsvollen Passagen am Salewa Klettersteig.

Salewa Klettersteig - die ersten Meter
Salewa Klettersteig – die ersten Meter

Der Beginn des Steigs war, wie wir erwartet hatten, einfach zu meistern und gleicht eher einem gesicherten Höhenweg. Doch von diesem ersten, einfachen Herantasten an den Fels, sollte man sich nicht täuschen lassen. Schnell werden Tritte schmäler, die Stellen ausgesetzter und die Aufstiege steiler. Gerade die Auf- und auch Absteige sind mit den uns bisher bekannten Allgäuer Klettersteigen nicht vergleichbar. Mit Bedacht, Konzentration und Trittsicherheit ist die ein oder andere knifflige Stelle sicher problemlos zu meistern. Dennoch waren wir von den spannenden und technisch durchaus hochwertigeren Klettereinlagen positiv überrascht, ja gar begeistert.

Der Salewa Klettersteig ist in 3 Teilstücke unterteilt. Am Ende eines jeden Teilstücks befindet sich ein Ausstieg, so dass jeder nach Kondition, Wetterlage und Co. für sich entscheiden kann, wann es Zeit ist auszusteigen. Am Spätnachmittag, den Abstieg mit eingerechnet, war schnell klar, dass wir nicht den gesamten Steig „packen“ werden. Für den Moment genossen wir aber die Kraxelei oberhalb von Oberjoch in vollen Zügen. Gegen Ende des ersten Teilstücks wurden die Bergauf-Passagen nochmals anspruchsvoller. Teils mit und teils ohne Eisenstufen kletterten wir weiter nach oben.

Gipfelwand am Ende des ersten Teils - Salewa Klettersteig
Gipfelwand am Ende des ersten Teils – Salewa Klettersteig

Unterhalb der Gipfelwand war dann der spannendste Moment, eher eine Schrecksekunde, gekommen. Nach einer einfachen Querung ging es direkt am Fels senkrecht nach oben. Oberhalb dieser Stelle quert der Klettersteig abermals die Wand. Zu Beginn war es nur ein leichtes Prasseln, das von oben zu vernehmen war. Dann krachten etwa 10 Meter oberhalb einige mittelgroße Gesteinsbrocken über die Kante. Den Blick zum Glück in diesem Moment nach oben gerichtet war schnell klar, dass ein Aufprall unvermeidlich war. Ein Schrei zur Begleitung, die glücklicherweise noch ein paar Schritte „um die Ecke“ war, Gesicht und Körper an den Fels. Ein Aufprall. Stille.

„Alles OK?“

„Ja! Bei Dir?“

„Alles gut!“ Gott sei Dank.

In diesen kurzen Augenblicken denkst Du nicht mehr wirklich. Du reagierst nur noch und bereitest Dich auf das Unvermeidliche vor. Festhalten. Hände und Nacken schützen. Alles nochmal glimpflich abgegangen. Der Helm hatte den Materialtest und somit seine Feuertaufe bestanden. Und auch wenn das hier kein gesponserter Blogbeitrag ist, danke an Salewa, dass die Kunstoff-Haube ihren Zweck mehr als erfüllt hat.

Ein paar Momente später, als der Schreck wieder aus den Gliedern heraus war, ging es weiter. Ein Rinne, dann eine leichte Felsplatte schräg hinauf und die Quer-Passage, von der die Felsbrocken vermutlich abgegangen waren, war erreicht. Loses schottriges Gestein an einer nicht sonderlich schwierigen Stelle. Sei es Unachtsamkeit oder auch nur eine Verkettung unglücklicher Umstände. Ein kleiner Stein, einmal ins Rollen gekommen, kann eine große Wirkung haben. Umso wichtiger, dass man die richtige Ausrüstung mit dabei hat.

Blick Richtung Wannenjoch
Blick Richtung Wannenjoch

Das Gipfelkreuz des Iseler und somit der erste Abstiegspunkt war zum Greifen nah. Nach kurzer Überlegung und der erneuten Feststellung, dass alles in Ordnung war, entschieden wir uns dazu, den zweiten Teil dieses wunderschönen Klettersteigs in Angriff zu nehmen. Der weitere Verlauf ist von hier aus gut einsehbar. Nach dem Abstieg über eine, teils rutschige Felsplatte folgt ein mehr oder wenige ebener Übergang zur nächsten Felsnase. Dahinter erkennt man, auf etwa gleicher Höhe bleibend, den weiteren Verlauf und den zweiten Ausstieg auf dem Grat zum Wannenjoch.

Erste positive Erkenntnis: keiner weiteren Klettersteig-Geher vor uns. Alle, die bis dato noch vor uns waren, haben den Ausstieg zum Gipfel gewählt. Zweite positive Erkenntnis: der weitere Verlauf weist keine Querung oberhalb aus, so dass ein weiterer Steinschlag unwahrscheinlicher ist, wenngleich man natürlich jeden Moment damit rechnen muss.

Nach der Bewältigung der ersten Platte ging es im zweiten Teil des Klettersteigs zunächst relativ entspannt zur Sache. Zunächst auf gleicher Höhe, dann über eine kleine Felsnase bergauf, ist der Weg im Vergleich zum ersten Teil deutlich einfacher und von der Schwierigkeit mit den großen bekannten Allgäuer Steigen vergleichbar. Zudem ist er deutlich kürzer als der erste Teil der Tour. Noch einmal hieß es steil bergab klettern und die wunderbare Aussicht auf Oberjoch und auf das Allgäuer Unterland und hinüber zur Rot Flüh genießen, bevor es wieder ebenerdig und zum Schluß mit einem kleinen „Aufschwung“ auf den Grat zwischen Iseler und Wannenjoch ging.

Iseler Gipfel im Abendlicht
Iseler Gipfel im Abendlicht

Auf dem Gratweg angekommen breitet sich nach Süden die ganze Pracht der Allgäuer Hochalpen vor uns aus. Unten liegt, in sanften Wiesen eingebettet, die Zipfelsalpe, dahinter baut sich der mächtige Bergstock des Daumen in der Abendsonne auf. Hochvogel, Rauhhorn, Rotspitz, Sonnenköpfe, und hinten im flirrenden Abendlicht verschwimmend die Walsertals und Oberstdorfer Berge.

Auf dem Grat ging es ein paar Höhenmeter hinauf zum Gipfel des Iseler. Unten Bad Hindelang und Sonthofen. Das Ostrachtal. Die zahlreichen Flüsse, Bäche und Seen funkeln in der Abendsonne. Auf dem mit Latschen bewachsenen Hang des Iseler ging es gemütlich in Serpentinen nach unten. Vorbei am Einstieg zum Klettersteig und weiter in Richtung Bergstation Iseler Bergbahn. An einem Wegweiser geht es rechter Hand in Richtung Gundalpe. Der Pfad wird etwas schmäler und schlängelt sich, sanft abfallend, der Wiedhag-Alpe entgegen. Kurz vor der Alpe geht es zunächst auf einem Wiesenweg weiter, bevor ein breit angelegter Schotterweg mit Stufen zur Gundalpe führt. Von dort aus geht es auf einem geteerten Fahrweg hinunter nach Oberjoch und zurück zum Parkplatz an der Talstation.




Fazit: Anspruchsvoll, wunderschön und die Kraft und Gefahr der Berge mal wieder zu spüren bekommen. Dritter Abschnitt: wir kommen!


Verfolgen Björn:

Life begins when you step outside!

2 Responses

  1. Dirk Völkel

    Das schönste am Steig hast Du definitiv schon gesehen – der dritte Abschnitt lohnt nicht wirklich. Sehr wohl dann aber der Abstieg via Kühgundrücken!

    • Björn

      Danke für den Hinweis. Der erste Teil ist echt der Wahnsinn! Aber ich denke, dass der dritte Part früher oder später kommt 🙂

Hinterlasse einen Kommentar